Das Verdauungssystem

Beim Pferd findet die Verdauung im Verdauungstrakt statt. Dort wird die Nahrung zuerst mechanisch zerkleinert und schließlich chemisch in ihre Bausteine zerlegt. Der Stoffwechsel beginnt also mit der Aufnahme der Nahrung durch das maul und endet mit der Verwendung der chemischen Energie und der Nahrungsbausteine für Aufbauvorgänge in der Zelle. 

Das Pferd ist ein Pflanzenfresser und findet auf seinen Wanderungen ein reichhaltiges Angebot an Pflanzen, von denen es sich ernähren kann. Sein Problem ist es, an die Nährstoffe zu gelangen. Es muss die strake Pflanzenzellwand aus Zellulose aufbrechen, die nur schwer verdaulich ist. Dafür verwendet es Mikroorganismen in seinem Dickdarm, die durch Fermentation die Zellulose zersetzen und in für das Pferd verwertbare Nährstoffe verwandeln. 

Bei Kauen von langfaserigem Heu macht das Pferd im Schnitt 3.000 bis 3.500 Kaufbewegungen pro Kilogramm Heu. Bei der Aufnahme von einem Kilogramm Kraftfutter hingegen nur 800 bis 1.200 Kauschläge. Entsprechend benötigt das Pferd zum Fressen von einem Kilogramm Heu etwa 45 bis 50 Minuten, für ein Kilogramm Kraftfutter jedoch nur 10 bis 15 Minuten. 

 

 

Beim Kauen von Pellets ist der Kauzirkel verlangsamt, da durch die Pellets die Kiefer weiter auseinandergedrückt werden. Sowohl horizontal als auch vertikal finden bei pelletierten Futtern ganz andere Kaubewegungen statt, mit größeren Verschiebungen im Kiefergelenk. 

Daher vermutet man, dass Zahnhaken schneller entstehen und größer sind, je mehr pelletiertes Kraftfutter ein Pferd frisst. 

Auch Belastungen im Kiefergelenk werden dadurch verursacht, die sich über die muskuläre Verspannung auf das Genick und von dort auf die Wirbelsäule übertragen. 

Zähne

Die Zähne sind extrem wichtig für eine gute Futterverwertung. Die meisten Zahnprobleme sind von außen nicht zu sehen, sondern nur von der Maulhöhle aus und werden daher oft zu spät erkannt. Mit defekten Backenzähnen kann das Pferd das Futter nicht ausreichend kauen und die Futterverwertung ist deutlich herabgesetzt. Außerdem fressen Pferde mit Zahnschmerzen häufig deutlich langsamer und nehmen dadurch insgesamt weniger Futter pro Zeiteinheit auf als ein Tier mit gesunden Zähnen. Das Risiko für Erkrankungen wie Koliken ist bei Zahnproblemen deutlich erhöht. 

Gute Zähne sorgen für einen besseren mechanischen Aufschluss des Futters und damit für eine deutlich erhöhte Verwertbarkeit der enthaltenen Nährstoffe. 

Hastiges Fressen mit zu geringer Einspeichelung, zum Beispiel bei reichlichen Kraftfuttermahlzeiten ohne ausreichende Heufütterung, führt zu einer schlechteren Einspeichelung. Das wirkt sich auf den gesamten Verdauungsvorgang aus. Im Speichel des Pferdes ist bereits ein wichtiges Verdauungsenzym enthalten, das Pepsinogen. 

Es wird im Magen durch die Magensäure zu Pepsin aktiviert und beginnt dort mir der Verdauung von Proteinen. Der Speichel des Pferdes enthält außerdem Bikarbonate und Natriumchlorid, die im Magen als Puffer wirken. Die Menge dieser Puffer steht in direktem Verhältnis zur Speichelmenge. Die Pufferwirkung ist wichtig, damit die Magensäure abgepuffert wird und der pH-Wert im Magen reguliert werden kann. Ohne ausreichende und ständige Speichelproduktion übersäuert der Magen des Pferdes und Magengeschwüre sind die Folge. 

Schlundverstopfung

 

 

Pferde neigen aufgrund ihres langen und schmalen Schlundes zu Schlundverstopfungen. Auslöser können Pellets sein, die im lauf der Passage aufquellen, aber auch kleine Äpfel oder Karottenstücke können den Schlund zusetzen. 

Man erkennt eine Schlundverstopfung daran, dass die Pferde mit nach vorne gestrecktem Hals dastehen, Husten und würgende Geräusche machen und oft Nahrungsbrei aus den Nüstern herausläuft. 

Hier darf nicht gezögert werden, sondern muss sofort der Tierarzt gerufen werden. 

 

Die Folgen von zu langen Fresspausen

Unter natürlichen Umständen wird das Futter nach zwei bis drei Stunden weitergegeben. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Weitergabe des Nahrungsbreis verlangsamt wird, sobald kein Futter mehr in den Magen gelangt. so kommt es zu Verweilzeiten von bis zu sechs Stunden im Magen bei langen Fresspausen. Umgekehrt wird der Mageninhalt in den Dünndarm weitergegeben, sobald nach einer Futterpause wieder Futter im Magen ankommt. 

Lange Fresspausen führen demnach zu unnatürlich verlängerten Verweilzeiten des Nahrungsbreis im Magen und damit zu Fehlverdauung. 

Als "lang" wird hier ein Zeitraum von mehr als vier Stunden bezeichnet. Der Mageninhalt wird zu stark angesäuert; Magenschleimhautentzündungen und in Folge Magengeschwüre können entstehen. 

Der Magen des Pferdes produziert täglich etwa 10 bis 30 Liter Verdauungssaft - auch während Hungerzeiten. Damit sich der Magen nicht selbst verdaut, ist die innere Haut im unteren Bereich von einer dicken Schleimschicht geschützt. 

Die Salzsäure kann bei langer Magenleerzeit, zum Beispiel bei einem Tag auf dem Sandauslauf ohne Heuzufütterung, allerdings auch diese Schleimhautschicht angreifen. Es kommt dann zu Entzündungen und Schäden der Magenschleimhaut durch die Salzsäure und die Verdauungsenzyme, die sich langfristig zu Magengeschwüren entwickeln. 

pH-Wert und Futterverwertung

Das Hormon Gastrin wird ausgeschüttet, wenn die Magenwand durch Futteraufnahme gedehnt wird. Gastrin führt zur Produktion von Magensäure. 

Wird der Magen infolge zu hastiger Kraftfutteraufnahme ohne Raufutter nur kurz und schnell gedehnt wird nur wenig Gastrin ausgeschüttet und zu wenig Magensäure gebildet. Der Magen weist dadurch insgesamt einen zu hohen pH-Wert auf. Dadurch wird auch Pepsinogen nicht effektiv und die Verwertung der Proteine im Kraftfutter fällt deutlich geringer aus. 

Wird hingegen zuerst Raufutter gegeben, etwa 30 Minuten vor dem Kraftfutter, stellen sich die richtigen pH-Werte ein und die Nährstoffe werden optimal verwertet. 

Futterart und Verdauungsgeschwindigkeit

Die Verweildauer des Futters in den einzelnen Abschnitten des Verdauungstrakts ermöglicht die Zugabe von Verdauungsenzymen, die Resorption der Verdauungsprodukte, die Fermentierung von Bestandteilen durch Bakterien, die Resorption der bakteriellen Produkte und die Wasserrückgewinnung. Man unterscheidet bei der Verdauungsgeschwindigkeit normalerweise drei Abschnitte: Magen, Dünndarm und Dickdarm. 

Die Durchtrittszeit durch den Verdauungstrakt variiert mit dem angebotenen Futter. So führt Weideland zu einer schnelleren, Heu zu einer langsameren Passage. Raufutter hat eine wesentlich längere Verweildauer im Verdauungstrakt als Kraftfutter, unabhängig von der Partikelgröße. 

Eine reine Kraftfuttergabe ohne Heu führt also zu einer längeren Verweildauer des Futters im Magen bei gleichzeitig ungünstiger pH-Wert Absenkung.

Kraftfutter vor Raufutter - insbesondere nach mehreren Stunden auf dem Auslauf ohne Raufutter - ist aus Sicht der Nährstoffverwertung kontraproduktiv

 

Die Verhältnisse der Verdauungsenzyme passen sich der angebotenen Futterzusammensetzung an. Daher sollten Futterumstellungen, insbesondere von Kraftfutter, nie abrupt, sondern im Zeitraum über zwei Wochen erfolgen. 

Trifft saure Nahrung im Dünndarm ein, wird die Produktion der Gallenflüssigkeit noch stärker stimuliert. Auf diese Weise fördert Futter die Entgiftung der Leber, da die Gallenflüssigkeit auch Abfall aus der Leber transportiert. 

Lange Hungerzeiten führen entsprechend zu schlechter Entgiftung. 

Gesunden Pferden sollte Getreide in seiner natürlichen oder gequetschten Form und in kleinen Portionen angeboten werden, die auch optimal im Dünndarm aufgeschlossen werden können. 

Haferstärke ist leichter verdaulich, wird also früher aufgeschlossen als Stärke von Gerste oder Mais. Somit steht Haferstärke dem Körper schneller als Energielieferant zur Verfügung als Gerstenstärke. Wenn ein Pferd 2 Gamm pro Kilogramm Körpergewicht Stärke aus gequetschtem Hafer aufnimmt, werden 95 Prozent davon sofort nach Eintritt des Nahrungsbreis in den Dünndarm aufgenommen. Der Aufschluss von Getreide, sei er mechanisch oder thermisch, führt grundsätzlich dazu, dass mehr Zucker früher aufgenommen wird und als Energielieferant zur Verfügung steht. Nur muss diese Energie dann auch genutzt werden. Ohne entsprechende Arbeit, die die Energie nutzt, richtet sie mehr Schaden als Nutzen an. 

Pferde sind insgesamt nicht auf eine Fütterung angepasst, die reich an Stärke und Zucker ist. Dies sollte bei der Zusammenstellung des Kraftfutters beachtet werden. 

Ständige Heuzufuhr in Kombination mit mehreren kleinen Kraftfuttermahlzeiten führt zu einer optimalen Verweildauer und Nährstoffverwertung. 

Gelangt unverdautes Kraftfutter in den Dickdarm, wird es auch hier von Mikroorganismen fermentiert. Das ist aber eine Fehlgärung, die zu Verschiebungen des Darmmilieus führt. 

Anteil der Strukturkohlenhydrate im Gras

Die Zellwände der Pflanzen enthalten verschiedene Strukturkohlenhydrate. Bei Grassorten stellen sie ungefähr die Hälfte der Baustoffe, bei Kleesorten nur ein Viertel. Der Anteil an Strukturkohlenhydraten nimmt zu, je länger das Gras steht, also je älter es ist. Auch bei Trockenheit steigt der Anteil an Strukturkohlenhydraten. 

Sie werden von der Darmflora verdaut. Der Grad des Abbaus hängt ab von der Art dieser Kohlenhydrate und dem Anteil an Lignin, das sowohl für die normale Darmflora als auch für die Verdauungsenzyme des Pferdes unverdaulich ist und damit als Ballaststoff wirkt. 

Erreicht ein erhöhter Stärke Anteil im Nahrungsbrei den Dickdarm, werden die Zellulose abbauenden Pilze und Bakterien unterdrückt, gleichzeitig wachsen die Stärke abbauenden Milchsäure Bakterien. 

Das Pferd benötigt eine ausgewogene Ernährung, um seine Lebensfunktionen aufrecht zu erhalten. Die entschiedensten Bestandteile im Pferdefutter sind

  • Fette
  • Kohlenhydrate
  • Proteine 
  • Vitamine
  • Mineralstoffe

In der heutigen Pferdefütterung empfiehlt es sich täglich eine Kombination aus Raufutter, Mineralfutter sowie Kraftfutter zu geben und die Mengen individuell auf das Pferd abzustimmen. Auf diese Weise stellen wir die ideale Versorgung mit allen lebenswichtigen Nährstoffen sicher. 

Der Hauptlieferant in Pferdefutter sind meist Kohlehydrate. Fette spielen in der Regel eine untergeordnete Rolle. 

Das Grundfutter sollte jedes Pferd in ausreichender Menge erhalten. Es versorgt Pferde nicht nur mit Energie, Vitaminen und Mineralstoffen, sondern erfüllt verschiedene weiter Funktionen:

  • Strukturiertes Pferdefutter muss gut gekaut werden. Dadurch sorgt es für einen natürlichen Abrieb der Zähne und beugt so Zahnkrankheiten wie Zahnspitzen oder Zahnstein vor.
  • Der Verdauungstrakt des Pferdes ist darauf ausgelegt, das Grundfutter gut zu verwerten. Die Bakterien im Blind- und Grimmdarm unterstützen die Verdauung. Dadurch verhindert das strukturierte Pferdefutter, dass Verdauungsstörungen wie Blähungen oder Durchfall auftreten.
  • Das Grundfutter fördert zudem die Darmbewegungen und vermeidet dadurch Verstopfungen (Obstioation)
  • Verhaltensstörungen wie Weben oder Koppen kommen seltener vor, wenn Pferde einen hohen Grundfutter Anteil erhalten
  • Strukturiertes Pferdefutter beugt einer Magenüberladung vor, da es ein großes Volumen hat. Zum Beispiel pelletiertes Kraftfutter quillt dagegen erst durch die Verdauungssäfte im Magen auf - das Pferd kann sich leichter daran überfressen, weil es nicht rechtzeitig bemerkt, dass sein Magen bereits voll ist.

Bei Heu als Grundlage der Pferdefütterung spielt die richtige Lagerung eine wichtige Rolle. Frisch eingebrachtes Heu vertragen Pferde nicht - es kann zu Verdauungsbeschwerden und Koliken führen. Wird das heu zu feucht gelagert, können sich Schimmelpilze und giftige Substanzen bilden. Außerdem verliert falsch gelagertes Heu Nährstoffe. Zu altes Heu wird dagegen sehr staubig. Dies kann bei empfindlichen Pferden zu Allergien führen. 

Falsch oder richtig

Jeder will nur das Beste für sein Pferd und das gilt insbesondere für das Futter. Doch wie fütterst du dein Pferd richtig? Was kannst du bedenkenlos in den Trog legen und was solltest du lieber vermeiden?

Macht das Füttern von Öl Sinn und wie gut sind Heunetze wirklich? All das sind wichtige Fragen zur Pferdefütterung, schließlich kannst du mit der Wahl deiner Futtermittel und der Art der Fütterung das Wohlbefinden deines Pferdes direkt beeinflussen. Nicht nur das: Viele Pferde werden aufgrund von falschem oder schlechtem Futter sogar krank. 

Um dein Pferd so artgerecht und gut wie möglich zu füttern, musst du dir erst einmal anschauen, wie und was es in der Natur frisst. In der freien Wildbahn legen Pferde mit ihren Herden täglich viele Kilometer zurück und nehmen dabei fast ununterbrochen Nahrung auf. Das Futter in der Natur besteht dabei größtenteils aus Pflanzenfasern und Kräutern. Bei den europäischen Urpferden standen vor allem Blätter, Gräser, Knospen und Knollen auf dem Speiseplan. 

Viel Bewegung und permanentes Fressen

Das Pferd ist seit jeher ein Lauftier, das bis zu 18 Stunden am Tag damit verbringt, sich zu bewegen und dabei Nahrung aufzunehmen. Genau auf dieses permanente Fressen ist auch der gesamte Organismus des Pferdes ausgelegt. Zum einen ist der Magen des Pferdes im Vergleich zu seinem langen Verdauungstrakt relativ kurz und somit perfekt für kleinere Mengen Futter, die kontinuierlich aufgenommen und an die Verdauung weitergegeben werden. Zum Anderen wird ununterbrochen Magensäure produziert und freigesetzt. 

Da auch der Darm zu jeder Zeit mit Verdauungssäften versorgt werden muss, besitzt das Pferd außerdem keine Gallenblase, was bedeutet, dass die Galle direkt und kontinuierlich in den Darm abgegeben wird. 

Nun ist es in vielen Ställen so, das Pferde drei Hauptmahlzeiten am Tag erhalten. Fast wie wir Menschen also: Frühstück, Mittagessen und Abendbrot. Allerdings konnte mittlerweile belegt werden, dass sich die Produktion der Verdauungssäfte des Pferdes diesen Fütterungsintervallen nicht anpasst. Schon regelmäßige Fresspausen von drei Stunden können beim Pferd zu ernsthaften Problemen, wie Magengeschwüren, Verdauungsproblemen und sogar in der Folge zu Verhaltensauffälligkeiten wie dem Koppen führen. 

Neben der Grundfütterung und ausreichend Heu sollte dein Pferd idealerweise das ganze Jahr über die Möglichkeit haben, zu jeder Zeit artenreiches Weidegras zu fressen. Im besten Fall steht ihm dafür eine nicht zu feuchte Wiese zur Verfügung. 

Manche Wiesen sind allerdings voll von Giftpflanzen und daher nicht für dein Pferd geeignet. Achte außerdem darauf, dass sich auf der Weide des Pferdes keine Giftpflanzen wie zum Beispiel das Jakobs-Kreuzkraut, Ampfer und Hahnenfußgewächs oder zu viel Klee befindet. 

Die natürliche Körperhaltung beim Fressen

Auch die Körperhaltung beim Fressen spielt eine ganz wichtige Rolle.  Von Natur aus frisst das Pferd sein Futter aus bodennaher Höhe, mit einem nach vorne gesenkten Kopf. Moderne Tröge auf Tisch- oder Hüfthöhe sind zwar für dich bei der Fütterung praktisch, führen aber dazu, dass dein Pferd mit einem abgewinkelten Hals schlickt, was auf die Dauer nicht nur den Rachen, sondern auch die Speiseröhre deines Pferdes belasten kann. 

Zudem ist das Pferdegebiss so angelegt, dass die oberen und unteren Zähne bei der natürlichen Fresshaltung genau aufeinander liegen. Was wiederum für eine gute Zermahlung beim Fressen sorgt. Schließlich wird dem Futter im Maul beim Kauen Bikarbonat zugesetzt. Dieses ist für ein gutes Gleichgewicht des Säurehaushalts  und eine gesunde Verdauung wichtig.