Sehnen und Bänder

Man unterschiedet, je nach Verlauf, zwischen Ursprungs- und Ansatzsehnen sowie den Zwischensehnen. Es gibt kurze Sehnen, wie wir sie am Brustmuskel finden, und die langen Sehnen an den Beinen. Breite, flächige Sehnenplatten, die zum Beispiel die Bauchmuskulatur verbinden, nennt man Aponeurosen. 

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Belastungsreize auf Sehnen, Bänder und Muskelgewebe genauso wirken wie auf das Knochengewebe. Das bedeutet, sie reagieren mit Kräftigung bei Belastung und mit Abbau bei Unterforderung. 

 

 

Leider sind Bänder und Sehnen von Haus aus schlechter durchblutet als Muskelgewebe. Um nach einer Verletzung eine gute Heilungstendenz zu bekommen, ist jedoch für alle Weichteile eine optimale Durchblutung das A und O. Die Durchblutung regelt die Reparatur der Verletzungsstelle. 

 

Am besten stellen wir uns eine große Baustelle vor. Die Wege müssen fei sein, damit alle Lieferwagen mit den benötigten Bauteilen anfahren können. Die leeren Lieferwägen nehmen Überreste und kaputte Bausteine wieder von der Baustelle mit. Wird aber die Zufahrt versperrt, zum Beispiel durch eine Schwellung, kann man nicht weiterarbeiten und die Heilung kommt zum Stillstand. 

Sehnen fangen dort an wo der Muskelbau anfängt sich zu verjüngen. Sie bestehen aus dichten, parallel verlaufenden, kollagenen Fasern, sind stark zugbelastbar und wenig elastisch. 

Ein Band ist ein Streifen Bindegewebe, der Knochen oder Sehnen an ihrem Platz hält. Bänder sind weniger dehnbar als Sehnen. Sie stabilisieren und schützen jedes Gelenk im Körper, auch die Gelenke der Wirbelsäule, des Beckens, der Hüfte, des Knies und der unteren Gliedmaße. 

Sehnen sind Faserstränge aus Bindegewebe, die Muskeln und Knochen miteinander verbinden. Es gibt sie überall im Körper, doch wenn es um die anatomischen Voraussetzungen für Leistung geht, gilt unser besonderes Interesse vor allem den Beinen. Denn "Ohne Beine Kein Pferd"

  • Sehnen entspringen wo der Muskelbauch sich zu dichten, faserigen Kollagenbündeln verjüngt, die extremen Zugbelastungen widerstehen können
  • die Sehnenfasern verlaufen im Zickzack oder leicht gewellt, wodurch sie sich etwa vier Prozent dehnen und wieder zurückspringen können. Darüber hinaus kommt es zu Verletzungen
  • Jede Sehne verbindet sich mit der Knochenhaut über kleine Spikes, die Sharpey Fasern heißen
  • Fibroblasten genannte Zellen, die zwischen den Fasern liegen, produzieren neues Kollagen.
  • Altes Kollagen wird fortwährend durch neues ersetzt. Die gesamte Sehne erneuert sich innerhalb von sechs Monaten
  • wo eine Sehne über ein Gelenk läuft, wird sie durch eine Sehnenscheide geschützt und durch ein Ringband gehalten
  • da Sehnen keine Blutgefäße enthalten, werden sie schlecht mit Blut versorgt und heilen nur sehr langsam.

Funktion der Sehnen

Sehnen helfen, die Kraft des Muskels auf den Knochen zu übertragen und sie haben eine federnde Wirkung. die Energie, die vom Muskel erzeugt wird, wird kurzzeitig von der Sehne gespeichert und dann auf das Skelett weitergegeben. Sie helfen also den Muskeln, Energie  zu sparen. 

Sehnenschäden durch Fehl- und Überbelastung

Eine der gefürchtetsten Krankheiten ist ein Sehnenschaden, da sie schlecht regenerativ und durchblutet sind, ist die Regenerationszeit entsprechend lang. 

Nicht zu Unrecht fürchtet jeder Reiter um die Belastbarkeit der einmal beschädigten Sehne. Durch ihr kollagenfaseriges Gewebe besitzen Sehnen durchaus eine hervorragende Reißfestigkeit. Ist die Sehne jedoch beschädigt, bleibt oft ein irreversibler Schaden zurück. 

Das hat jedoch meist eine Vorgeschichte. Durch Fehl- und Überbelastung entstehen sogenannte Mikrotraumen, also kleinste Faserrisse, die die Sehne schädigen. Diese Mikrotraumen verhindern eine gute Durchblutung der Sehne und führen zu Verhärtungen und Degenerationen. Die Sehne heilt und bildet Ersatzgewebe an den geschädigten Stellen aus. Um dieses Neugebildete Ersatzgewebe ist die Sehne jedoch geschwächt. Es entstehen regelrechte Sollbruchstellen. Die Sehne wird anfälliger für Einrisse. Es dauert sehr lange, bis die Stelle verheilt ist und wieder geordnete Strukturen ausbildet. Das A und O, um einen Sehnenschaden auszuheilen, ist deshalb ein gutes Aufbautraining. 

Am kontraproduktivsten wäre es, dem Pferd Boxenruhe zu verordnen. Die besten Erfahrungen habe ich gemacht, wenn die Pferde schonend bewegt werden. Denn nur durch Bewegung wird gewährleistet, dass die "geflickte" Stelle in der Sehne elastisch wird. Verordnet man dem Pferd hingegen Boxenruhe, um es vermeintlich zu schonen, bildet sich das Ersatzgewebe in allen Richtungen aus und wird starr und verfilzt regelrecht.

Starke Sehnen können Sehnenschäden verhindern

Die Elastizität einer Sehne ist durchaus trainierbar. Um die Sehnen des Pferdes zu stärken, ist eine gleichmäßige Belastung notwendig. Die Sehnen werden besser durchblutet und ihre Struktur wird gestärkt. 

Sehnen sind Energiespeicher und helfen den Muskeln, die Energie an die Knochen weiterzuleiten. Zugsehnen sind sehr strapazierbar und halten Zugkräften bis zu 1.000kg stand, sind jedoch kaum dehnbar. 

Um Mikrorupturen und auch größere Einrisse an den Sehnen bildet der Körper Ersatzgewebe. Um dieses Ersatzgewebe herum ist das Sehnengewebe geschwächt. Das neu gebildete Gewebe muss belastet werden, damit dessen Struktur nicht kreuz und quer wächst, sondern sich geordnet in das vorhandene Sehnengewebe einbinden kann. 

Sehnenschaden: Anzeichen & Ursachen

 

 

 

Die Sehne ist leider sehr empfindlich und eine Verletzung an dieser kann die unterschiedlichsten Ursachen haben. 

  • Überlastung: Eine Fehlhaltung beim Training wie zum Beispiel das dauerhafte Führen zu eng am Hals kann zum Sehnenschaden beim Pferd führen
  • Fehlendes Aufwärmen: Die Sehnen werden nur langsam warm. Starten wir zu schnell, kann es sein, dass sie der Dehnung nicht standhalten können.
  • Bewegungsmangel: Bewegt sich ein Pferd zu wenig, werden die Sehnen nicht mit genügend Blut, also Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und können sich so zurückbilden.
  • Nebeneffekt anderer Probleme: Treten Schmerzen und/oder Lahmheiten im Gelenk oder den Muskeln auf, kann die Schonhaltung die Sehnen der gesunden Beine überlasten.
  • Huffehlstellungen: Fehlender oder schlechter Hufbeschlag können zu einer Überlastung führen.
  • Stumpfes Trauma: Wird das Pferd von einem anderen Tier getreten oder bleibt etwa beim Springen an einer Latte oder einem Zaun hängen, kann die Sehne beschädigt werden.
  • Stolpern: Bei schlechten Witterungsbedingungen oder Bodenverhältnissen kann es sein, dass das Pferd stolpert. Kommt es hier ungünstig auf, können die Sehnen überlastet werden.
  • Falscher Beinschutz: Werden Gamaschen oder Verbände falsch angelegt, überhitzt die betroffene Region und die Blutversorgung wird eingeschränkt.

Doch wie erkennt man eigentlich einen Sehnenschaden beim Pferd?

Meist macht sich dieser beim Hufe Auskratzen bemerkbar. Vielleicht zieht das Pferd ein Bein dauerhaft weg oder reagiert empfindlich auf eine Berührung am Röhrbein. 

Hier sollten wir tasten. Fühlt sich die Sehne geschwollen und warm an, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass eine Verletzung vorliegt. Diese kann unterschiedlich gravierend sein. Von der Entzündung reicht sie bis hin um Abriss. 

Was hilft bei Sehnenschäden beim Pferd?

 

 

Eins möchte ich an dieser Stelle gleich vorwegnehmen: Stellen wir fest, dass eine Sehne des Pferdes angeschwollen ist oder das Tier lahmt, sollten wir unbedingt den Tierarzt zu Rate ziehen. Denn dieser wird die genaue Ursache feststellen und uns auch entsprechend Tipps zur spezifischen Behandlung geben können. 

Dennoch gibt es natürlich einige allgemeine Möglichkeiten, mit denen wir den Heilungsprozess unterstützen können:

Bewegung

Regt die körpereigene Versorgung an und kann in Maßen helfen, die Heilung zu beschleunigen. Wir sollten allerdings darauf achten, dass wir das Pferd nicht überlasten. Am besten eignet sich der Freilauf auf der Weide, natürlich nur gemäß tierärztlicher Anweisung.

Gels

Schmerz-, entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Gels. Punktuell aufgetragen und am besten mit Frischhaltefolie umwickeln, damit sie gut einziehen. Aber auch hier bitte Vorsicht beim anlegen, siehe oben (falscher Beinschutz)

Nahrungsergänzung

Spezifische Nährstoffe können gezielt die Muskulatur entspannen und so auch die Sehnen entlasten. Selen, Magnesium, Kollagen und Mangen.

Kühlung

Hilft beim Abschwellen einer Entzündung. Ganz natürlich zum Beispiel mit einem Heilerde-Umschlag. Oder mehrmals täglich mit dem Wasserschlauch oder in einer Schwemme.

SWIT Neurobalance

Die speziellen Regulationseffekte von SWIT konzentrieren sich auf die Regulation des zentralen Nervensystems, insbesondere auf die Kommunikation zwischen den Zellen. ATP wird freigesetzt und somit die Stoffwechselvorgänge der Zellen aktiviert. 

Laserfrequenztherapie

Das Laserlicht strahlt auf einer bestimmten Wellenlänge und führt so den Zellen Energie zu. Energie wird für alle Stoffwechselvorgänge in den Zellen benötigt. Das Licht unterstützt die Zellen bei der Regeneration und Optimierung ihrer Funktion.

Equitron

Schmerzstillende und Entzündungshemmende Wirkung. Beschleunigt und unterstützt die Heilungsprozesse und fördert die Regeneration. 

Ultraschall

Fördert die Durchblutung des Bindegewebes und kann so den Heilungsprozess unterstützen.

Spezieller Hufbeschlag

Kann gegebenenfalls helfen, die Belastung, die auf den Sehnen liegt, zu mildern. Hierfür gibt es unter den Hufschmieden echte Spezialisten.

Physiotherapie

Physiotherapie regt vor allem nach Abklingen der Entzündung beziehungsweise dem Verheilen eines Risses den Bewegungsapparat an und bringt ihn wieder in Form.

Ganzheitliches Konzept

Da Sehnenschäden meist ein Gelenk- oder Muskelschaden vorausgeht sollten also auch diese erst geprüft und behandelt werden. 

 

 

Ist der Sehnenschaden beim Pferd schlussendlich wieder verheilt, geht es daran, das Tier langsam wieder an das Training zu gewöhnen.

Allerdings sollten wir uns für diesen Prozess Zeit lassen, denn wird die Sehne zu schnell wieder übermäßig belastet, ist die Gefahr einer erneuten Verletzung hoch. 

Lange Aufwärmphasen sind das A und O. Ebenfalls das vorsichtige gewöhnen an das Reiten. Viel Schritt auf unterschiedlichen Böden. 

Bänder

Bänder verbinden Knochen mit Knochen. Vor einer Sehne unterscheiden sie sich dadurch, dass sie nicht Teil eines Muskels sind. Bänder:

  • unterstützen Gelenke und schützen sie vor Überstreckung, Überdehnung oder Überrotation
  • bestehen aus Kollagen, einem Protein, das im Bindegewebe vorkommt. Sie sind stärker als Sehnen
  • sind nur gering durchblutet und heilen deswegen langsam

Es gibt vier verschiedene Typen von Bändern:

  1. Unterstützende oder tragende, zum Beispiel im Fesselträger
  2. Ringförmige, die ein Gelenk umgeben. Sie bestehen aus breiten Streifen, die dem Zug einer Sehne Richtung geben. Beispiel hierfür ist das Ringband des Fesselträgers
  3. Interössäre, die Knochen verbinden, zum Beispiel die Zwischendornbänder zwischen den Dornfortsätzen der Wirbel
  4. Lange, strangartige (Funikuläre), die helfen, viele Knochen zusammenzuhalten, zum Beispiel den Nackenstrang

Bänder sind Faserbündel aus derben Bindegewebe, die Knochen mit Knochen verbinden. Sie begrenzen den Bewegungsradius der Gelenke und sind im gesamten Körper zu finden, inklusive Wirbelsäule, dem Becken, den Hüften, Knie und anderen Beingelenken. 

  • Bänder stabilisieren, stützen und schützen Gelenke vor Überstreckung, Überbeugung und Verdrehungen
  • Bänder bestehen aus sich kreuzenden und überlappenden Kollagenfasern. Dadurch sind sie stärker und weniger elastisch als Sehnen. Wie Sehnen sind sie allerdings verletzungsanfälliger und heilen langsam, da sie keine Blutversorgung haben.
  • sind Bänder überdehnt oder verletzt, wird das Gelenk schwächer, da sie es nicht mehr richtig stabilisieren können.