Massagetechniken

Bestimmt hat jeder von uns schon einmal in seinem Leben eine Massage genossen und weiß, wie schön und gut diese Behandlung ist. Andererseits wissen wir aber auch, wie weh so eine Massage, gerade bei verspannten Muskeln, tun kann und wie angenehm es ist, wenn der Schmerz nachlässt. 

Vielleicht haben wir auch schon einmal erlebt, dass beim Putzen unseres Pferdes, es unruhig wird, von der Bürste ausweicht und sogar mit seinem Körper droht, um zu sagen "Hier tut es weh!". Andererseits haben wir vielleicht aber auch schon erfahren, dass es sich gegen die Bürste lehnt und uns damit seine Körpersprache sagen möchte, wo es ihm gut tut, und dass es den Druck und die Massage genießt, die wir durch das Putzen erreichen. 

Wir wollen euch die klassische Massage zeigen, die ihr bedenkenlos einsetzten könnt, ohne eurem Pferd Schaden zuzufügen oder Unwohlsein zu erzeugen. Vorausgesetzt, ihr beobachtet die Körpersprache eures Pferdes und beachtet die Kontraindikation. 

Reibung mit den Fingerkuppen

Viele Pferde sind im Bereich des Genicks sehr empfindlich, da die Muskeln und das gesamte Gewebe häufig in diesem Umfeld verspannt ist. Hierfür gibt es vielfältige Ursachen. 

Vielleicht ist das Pferd gestürzt, hat sich in das Halfter gehangen oder sich den Kopf gegen eine Kante gestoßen. Es kann aber auch das Genickstück der Trense drücken und ebenfalls Verspannungen bewirken. 

Auch Pferde können Kopfschmerzen oder Migräne bekommen. Deshalb sollte man dem Pferd gegenüber sehr sensibel in der Wahrnehmung sein. 

Wir legen unsere Finger ganz locker zunächst ganz behutsam auf die linke Seite des Genicks und machen kreisende, reibende Bewegungen. 

Entspannt sich das Pferd, und lässt es den Hals nach unten fallen, können wir den Druck etwas erhöhen (eventuell mit der zweiten Hand). Wir massieren diese Stelle ein bis zwei Minuten und wechseln dann zur anderen Seite um auch dort sanft und locker die Muskulatur zu lockern. Die meisten Pferde genießen das sehr und sind dankbar dafür. 

Der Gabelgriff

Zeit sich unser Pferd entspannt, können wir das Genick auch mit dem "Gabelgriff" massieren. 

Hierzu spreizen wir Daumen und Mittelfinger, legen beide Finger über das Genick und beginnen mit leichten und vorsichtig stärker werdendem Druck, das Gewebe rechts und links des Genicks nach oben zu ziehen. Auch hier reichen ein bis zwei Minuten Massage aus. 

Massage des langen Rückenmuskels

Oft sind die Pferde in der Rückenmuskulatur sehr verspannt, und genießen es, wenn wir sie in dieser Region massieren. Besonders dankbar sind sie oft für eine Massage vom hinteren Sattelrand bis zum Hüfthöcker. Mit dieser Massage können wir vor allem den langen Rückenmuskel lockern. (Musculus longissimus)


Dazu stellen wir uns seitlich zum Pferd, auf Höhe der Lendenwirbelsäule. Wir legen die Fingerkuppen beider Hände aufeinander und drücken die Finger vorsichtig, aber immer tiefer eindringend, in den Muskel. Dabei führen wir kleine kreisende Bewegungen aus. 

Bitte darauf achten, dass nicht auf der Haut hin und her gekreist wird, sondern in der Tiefe des Muskels. 

Die Intensität der kreisenden Massage muss dem Pferd angepasst werden. Nach vorsichtigem Beginn kann der Druck stärker werden. Das Pferd zeigt uns seine Reaktion, ob wir das richtige Druckmaß anwenden. Die meisten Pferde lieben diese Massage und dehnen sich genussvoll über ihre ganze Länge. 

Massage des Kruppenmuskels

Ebenso häufig wie der lange Rückenmuskel ist die Kruppenmuskulatur der Pferde verspannt. 

In der Regel ist die Verspannung auf einer Seite deutlich ausgeprägter als auf der anderen Seite. Pferde lieben die Lockerung dieses Muskelareals sehr, denn sie spüren, wie sich die ständige krampfartige Verspannung durch diese Griffe nach und nach löst.  

Die Technik ist die gleiche, wie die der langen Rückenmuskulatur. Jedoch wird hier an dem Punkt begonnen, wo die Kruppe schräg nach hinten abfällt. Von der Mittellinie aus gesehen werden die Fingerkuppen etwa eine Handbreit nach außen mit Druck auf den Kruppenmuskel aufgesetzt. Von dort bewegen sie sich mit kreisenden Bewegungen langsam schweifwärts. Während dieser Technik dehnt sich das Pferd häufig und macht sich immer länger. 

Gelegentlich schaut es sich auch erstaunt um, um zu sehen, was mit ihm gemacht wird. Es kann auch sein, dass es uns sein ganzes Hinterteil entgegenstellt. Bei dieser Technik spürt auch der medizinisch nicht Geschulte sehr gut, wo die Verspannung sitzt und wie locker das Gewebe unmittelbar daneben ist. 

Auch hier nur ein bis zwei Minuten massieren und dann die Seite wechseln. 

Aufwölben der Sattellage

Neben dem Aufwölben der Kruppe ist das Aufwölben der Sattellage unerlässlich. 

Hier können wir auch statt unserer Hände Stäbchen verwenden. 

Hierzu stellen wir uns neben das Vorderbein des Pferdes, legen die linke Hand auf den Widerrist und streichen vorsichtig mit leichtem Druck das Stäbchen von der Bauchmitte nach vorne in die Gurtlage. Dabei die Sattellage beobachten, die sich aufwölben soll. 

Der Hals unseres Pferdes soll sich absenken und verlängern. Ist es dem Pferd nicht möglich, die Sattellage aufzuwölben und legt es stattdessen die Ohren an, versucht es zu treten oder drückt trotz des Stäbchenzugs verstärkt den Rücken weg, dann können wir zunächst versuchen, die flache Hand in den Gurtbereich zu legen und mit sanftem Druck kreisende Massagebewegungen auszuführen, bis sich unser Pferd entspannt. 

Reagiert es auch dabei abwehrend, sollte unbedingt ein Therapeut hinzugezogen werden. Da hier eine massive Verspannung im Rücken vorliegen kann und diese erst behoben werden muss. Solange sollten wir das Pferd dann auch nicht mehr reiten. 

Die einzelnen Massagegriffe sollten in einem langsamen, ruhigen Rhythmus ausgeführt werden. Hierbei gilt: je tiefer eine Massage wirken soll, umso langsamer (und druckintensiver) soll sie ausgeführt werden. Je langsamer der Rhythmus, desto Tonus mindernder und entspannender wirkt die Massage. 

Massieren ist auch eine Möglichkeit, unser Pferd zu putzen. Falls ihr wenig Zeit für das Putzen und Massieren habt, könnt ihr statt eurer Händen die Bürste einsetzen. Ihr werdet sehen, wie sauber und blank das Fell wird - und wie schmutzig eure Hände werden. 

Wie stark soll ein Massagedruck sein?

Wie viel Druck ausgeübt werden soll oder darf, hängt ganz von eurem Pferd ab. Die Massage sollte für das Pferd immer angenehm sein. Obwohl wir mit einem leichten Druck nur oberflächig massieren können, übt die Wirkung der Massage einen Dominoeffekt auf das tiefer liegende Gewebe aus. 

So stark wie nötig und so schwach wie möglich

Massieren ist keine Kunst - diese Fähigkeit kann jeder erlernen

Es gibt noch viel mehr Massagetechniken, die du selbst an deinem Pferd anwenden kannst, um ihm etwas Gutes zu tun. Vereinbare einen Termin mit uns, und wir zeigen dir die Grifftechniken an deinem Pferd