Futterarten

Ergänzungsfuttermittel

Die Ergänzungsfuttermittel sind mittlerweile ein riesengroßer Markt, auf dem viele gern mitverdienen wollen. 

In der Werbung werden zahlreiche Produkte angepriesen, die geradezu wundersame Hilfe und Linderung für jedes erdenkliche Wehwechen der Pferde bringen sollen. Aber Vorsicht ist hier die Devise. 

 

Es ist unbedingt erforderlich, sich Rat über Produkte, Dosierungen und Kombinationsmöglichkeiten beim Tierarzt oder Futtertherapeuten einzuholen. 

Mineralstoffe und Vitamine

Die Angebote am Markt sind sehr zahlreich, ebenso die Qualitätsunterschiede. Der tatsächliche Bedarf ist oftmals schwierig zu ermitteln - er hängt von Alter, der Nutzung und der Gesundheit des Pferdes ab. Die Inhaltsstoffe in der natürlichen Nahrung variieren je nach Jahreszeit erheblich. Viele Fertigfuttermittel sind bereits vitaminisiert und mineralisiert und müssen bei der Rationsgestaltung daher besondere Aufmerksamkeit erhalten. 

Wichtig ist auch zu bedenken, dass manche Mineralien um die Aufnahme in den Körper konkurrieren, so zum Beispiel Kalzium und Phosphor, beides wichtige Knochenbestandteile. 

Deshalb ist es wichtig, das richtige Kalzium-Phosphor-Verhältnis von 3 zu 1 oder sogar 4 zu 1 beim erwachsenen Pferd in der Rationsgestaltung zu beachten. 

Andernfalls kann es bei einem dauernden Überangebot an Phosphor zu einem Kalziummangel kommen, auch wenn absolut gesehen eigentlich genügend Kalzium in der Ration steckt. 

Vorsicht auch bei der Kombination verschiedener Ergänzungsfuttermittel. 

Viele Mittel sind so konzipiert, dass sie als alleinige Zugabe zum Futter gegeben werden sollten - mit Überdosierungen erreicht man nicht selten das Gegenteil des gewünschten Effekts. 

Qualität hat ihren Preis. In manchen Billigprodukten sind Vitamine zwar mengenmäßig ausreichend enthalten, aber chemisch so gestaltet, dass der Organismus sie gar nicht oder nur in geringen Mengen verstoffwechseln kann. Erzeugnisse von pharmazeutischen Unternehmen sind auf der Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen bedarfsgerecht zusammengestellt und von einer Qualität, die dem Körper auch tatsächlich zugutekommt. 

Raufutter

Raufutter wie Heu, Silage oder Gras bildet die absolute Grundlage der Pferdefütterung. Das Verdauungssystem des Pferdes ist auf die ständige Aufnahme von Raufutter angewiesen, denn es liefert dem Pferd lebensnotwendiges Protein und Energie. Außerdem stellt eine beständige Aufnahme strukturierter Rohfaser (unverdauliche Bestandteile in pflanzlicher Nahrung) eine gesunde Darmaktivität sicher und verringert das Kolik Risiko. Besitzern älterer Pferde - die gegebenenfalls unter Zahnprobleme oder Schlundverstopfungen leiden - empfiehlt sich, die Fütterung von Heucobs in Erwägung zu ziehen, da diese besser zu Kauen sind. 

Zur Fütterung gehört üblicherweise eine ausreichende Zufuhr von Raufutter in Form von heu und Stroh. Darüber wird die Nahrungs- und Energieaufnahme reguliert und die Pferde sind satt und beschäftigt. 

Durch genügend Raufutter wird das Risiko für Magenüberladung, Dickdarmüber- lastung und für Verhaltensauffälligkeiten aus Langeweile verringert. Auch der Zahnabrieb wird reguliert und der Speichelfluss stimuliert. Raufutter regt die Motorik an und sorgt so dafür, dass der Futterbrei in optimaler Geschwindigkeit durch den Verdauungsapparat transportiert wird und die Nährstoffe optimal verwertet werden können. Damit werden auch Fehlgärungen mit Gasbildung in Magen oder Darm vermieden. 

Wichtig ist, dass Pferde schmerzfrei und gründlich kauen können. Die Zähne also in einem ordentlichen Zustand sind. Außerdem müssen die Pferde ausreichend Zeit für die Nahrungsaufnahme haben, was insbesondere in überfüllten Offenställen nicht immer der Fall ist. Raufutter führt dazu, dass Pferde einen erhöhten Wasserbedarf haben. Die Fütterung von nassem Heu oder ein Wasserkübel neben dem Heu, in den die Pferde gerade staubiges Heu gern "tunken", sorgen dafür, dass dem Stoffwechsel genügend Flüssigkeit zur Verfügung steht. Heufütterung auf Ausläufen ohne Wasserversorgung sollte unbedingt vermieden werden. Es kann ansonsten zu Darmträgheit und Verstopfungskoliken kommen. 

Zum Raufutter zählen Wiesenheu, Luzerneheu, Stroh und daraus hergestellte Handelsformen wie Heucobs, Heuwürfel oder Heuflocken sowie silierte Produkte von Gras wie Heulage und natürlichen Weidegras. 

Die Zusammensetzung der Raufutterration spielt eine zentrale Rolle in der Fütterung. Raufutter soll viel Rohfaser enthalten. Dies ist jedoch ein Sammelbegriff für verschiedene chemische Verbindungen wie Zellulose, Hemizellulose, Lignin und Pektin. 

Rohfaser meint in diesem Fall vor allem Zellulose als Nährstoff für die Darmflora des Pferdes. Lignin wirkt als Ballaststoff darmregulierend und Pektine bringen im Übermaß gefüttert die falschen Bakterien und Pilze im Dickdarm zum Wachstum. 

Füttert man lange Zeit zu wenig Heu, kommt es vor allem bei Boxenhaltung in reizarmer Umgebung zu Verhaltensauffälligkeiten und zu Gesundheitsproblemen wie Verstopfung, Fehlgärung, Kotwasser, Kolikanfälligkeit, Durchfall und damit zu einer schlechteren Vitaminversorgung. 

Schließlich kann das Pferd die gesamte Futterration nur noch reduziert verwerten. Probleme im Bewegungsapparat folgen, weil die Pferde Magengeschwüre entwickeln, krampfen und die Rückenmuskulatur verspannen. Durch den entgleisenden Stoffwechsel können sich sekundäre Krankheiten wie Sehnen- und Fesselträgerschäden, Kryptopyrrolurie, Leber- und Nierenstörungen entwickeln.

Weide und Grünfutter

Die Weide kommt dem natürlichen Fressverhalten des Pferdes entgegen. Durch die selbstständige Futtersuche ist neben der Bewegung auch für die Beschäftigung gesorgt. die aufgenommene Futtermenge ist dabei abhängig von dem Futterangebot, also von der Menge und Qualität sowie von der Dauer der Fresszeiten. Ist kein ausreichendes Weideland verfügbar, kann man auch Grünfutter von Dauergrünland mähen und verfüttern. Wiesen zeigen dabei meist eine andere Pflanzenzusammensetzung und Bodenqualität als Weiden, da auf Weiden durch gezielte Bevorzugung einzelner Pflanzen die Flora verändert und durch die Hufe der Boden verdichtet wird, was einigen Pflanzenarten das Wachstum erschwert. 

Daher kann man oft von Wiesen bessere Kräuterqualitäten für das Pferd erhalten als von Weiden. Insgesamt variiert die Nährstoffzusammensetzung von Weidegras zu Teil erheblich von Weide zu Weide, was durch verschiedene Faktoren bedingt sein kann. 

Bei Grünschnitt ist darauf zu achten, dass er hoch genug über dem Boden abgemäht wird, um Verunreinigungen durch Erde zu vermeiden. Außerdem muss er sofort verfüttert werden, weil das Gras insbesondere im Sommer innerhalb eines Tages zu gären beginnt. Dann muss man es verwerfen. Grasabschnitte vom Rasenmäher sind nicht als Pferdefutter geeignet, weil sie ungenügend gekaut werden und Koliken auslösen können. 

Besonders bei frostigen Nächten, gefolgt von warmen sonnigen Tagen, vor allem im Frühjahr und Herbst, bilden sich im Weidegras sehr schnell sogenannte Fruktane. Das sind langkettige Speicherkohlenhydrate, die von Pflanzen gebildet werden, wenn die Witterung kein Wachstum erlaubt. Dabei unterscheiden sich die verschiedenen Grassorten sehr stark in der Menge an Fruktan, die sie bilden. 

So sind Wiesenlieschgras und Rotschwingel fruktanarme Gräser, während das weitverbreitete Deutsche Weidelgras zu den fruktanreichen Pflanzen gehört. Man geht davon aus, dass die Aufnahme von 1 Gramm Fruktan pro Kilogramm Körpergewicht unkritisch ist. Unter normalen Bedingungen liegt die Aufnahme bei 1 bis 3 Gramm Fruktan pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. 

In Versuchen konnte gezeigt werden, dass die einmalige Aufnahme von 7,5 Gramm Fruktan pro Kilogramm Körpergewicht zu Hufrehe führte. Dieser Wert wird normalerweise nicht an einem Tag, sondern nur über mehrere Tage erreicht. Es kann aber auch bei niedrigeren Fruktangehalten zu Hufrehe kommen, wenn der Stoffwechsel schon vorgeschädigt ist. Daher sollte besonders im Frühjahr und Herbst darauf geachtet werden, dass die Pferde nicht am Morgen auf die Weiden kommen. Denn der Fruktangehalt "verwäscht" sich bei steigenden Temperaturen, sodass über die Mittagszeit und im Hochsommer stets die niedrigsten Fruktanwerte gemessen werden. 

Außerdem kann man versuchen, die Pflanzenzusammensetzung der Pferdewiesen hin zu fruktanarmen Grassorten zu optimieren. 

Ungesättigte Fettsäuren

Die ungesättigten Fettsäuren, namentlich die Omega-3-Fettsäuren, haben eine entzündungshemmende Wirkung im Zellstoffwechsel. Diese Fettsäuren sind besonders in hochwertigen pflanzlichen oder Fischölen enthalten. Bei manchen Ergänzungsfuttermitteln sind sie bereits beigemengt.

Radikalfänger

 

 

Bekannte Radikalfänger sind Vitamin E und Selen. Auch sie sind als Beimischung in vielen Ergänzungsfuttermitteln enthalten, das Vitamin E in natürlichen Quellen auch in hochwertigen pflanzlichen und Fischölen. 

Pflanzliche Mittel

Die Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) blickt auf eine zum Teil jahrtausendalte Tradition zurück. 

Bestimmte Heilpflanzen können auch bei arthrosekranken Pferden sehr sinnvoll eingesetzt werden. Am besten ist es, sich von einem auf diese Behandlung spezialisierten Therapeuten beraten zu lassen, um die passenden Mittel, Dosierungen und Darreichungsformen wählen zu können. 

  • Weidenrinde: sie ist eines der ältesten bekannten pflanzlichen Heilmittel für alle Arten von Schmerzen. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure ist noch heute ein bewährtes Schmerzmittel in der Humanheilkunde
  • Eichenrinde und Birkenblätter: Sie unterstützen die natürlichen, körpereigenen Abläufe bei Entzündungshemmung
  • Bärlauch: Er weist einen besonders hohen Schwefelgehalt auf und unterstützt dadurch insbesondere den Eiweißstoffwechsel
  • Pappelrinde: Ihr wird eine Wirkung als Radikalfänger nachgesagt
  • Brennesselblätter: Sie enthalten Kieselsäure, die den Knorpelabbau verlangsamen sollen
  • Teufelskrallenwurzel: Das pflanzliche Antiphlogistikum unterstützt auf natürliche Weise die Entzündungshemmung und hat zusätzlich eine gute schmerzlindernde Wirkung
  • Senfsamen- und Capsicum-Zubereitungen: sie werden äußerlich angewendet, wirken dabei leicht hautreizend und sehr stark durchblutungsanregend. Durch diesen Gegenreiz werden neue Heilungskräfte mobilisiert