Bodenarbeit

Egal ob klassisch, iberisch oder Western geritten - am Boden sind alle Pferde gleich. Bodenarbeit ist unabhängig von der Reitweise. Manchmal ist man gezwungen sich mit seinem Pferd vom Boden aus zu beschäftigen, sei es durch Verletzungen in der Reha-Pause, weil man selbst gerade nicht reiten kann, um sein Pferd besser kennenzulernen und viele andere Gründe kann es hierfür geben. 

Egal ob Horsemanship oder klassische Ausbildung, gemeinsam ist allen, dass sie das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter fördern und Abwechslung in den Alltag bringen. 

Wenn du dein Pferd mit Respekt behandelts, und auch dann gelassen bleibst, auch wenn manche Übungen nicht auf Anhieb klappen wollen, hast du bereits die halbe Miete. 

Achte auf seine Körpersprache und beobachte, wie dein Pferd in verschiedenen Situationen reagiert. 

Wenn wir angemessen darauf eingehen, lernt unser Pferd, dass es uns vertrauen kann. Hat man sich das Vertrauen seines Pferdes einmal erarbeitet, geht die Bodenarbeit viel besser von der Hand. 

Das Pferd arbeitet gerne und bereitwillig mit. 

Bodenarbeit erfordert nicht besonders viel an Equipment. Ebenso ist eine Halle nicht unbedingt erforderlich, lediglich ein ruhiger Platz, am besten eingezäunt und nicht direkt neben den Koppeln seiner Pferdekumpel. 

Wichtig ist ein trittfester Untergrund, am besten ebenerdig. 

Ausrüstung

Handschuhe: jeder der schon mal beim führen einen Strick durch die Hand gezogen bekommen hat, weiß wie sehr das brennen kann. 

Knotenhalfter oder Kappzaum: ich bevorzuge die Biotanen Kappzäume, da sie sich ideal dem Pferdekopf anpassen können und nirgend drücken. Zusammen mit Nasen- und Genickschoner eine ideale Kombination für den sensiblen Pferdekopf. 

Longe, Seil und Gerte: Auch hier bevorzuge ich die Biotannen Longen, da diese sehr angenehm in der Hand liegen. Seil für das Knotenhalfter und eine Touchiergerte oder eine längere Dressurgerte. 

Trabstangen und Dual-Gassen: Trabstangen bergen das Risiko, dass sich die Pferde verletzen können, falls sie doch einmal versehentlich draufsteigen. Bei den Dual-Gassen aus Schaumstoff ist dieses Risiko nicht gegeben. 

Pylonen, Tonne, Strohballen: der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. 

Motivieren und lernen

Sein Pferd zum lernen zu motivieren ist eigentlich sehr einfach. Besonders, wenn man sein Pferd gut kennt. Manche Pferde sind schon mit Zuwendung zufrieden und fühlen sich durch ein Lobwort (ein Wort das man regelmäßig zum loben nutzt) oder durch ausgiebiges Streicheln in ihrem Verhalten positiv bestärkt. Andere brauchen vielleicht noch ein Leckerli, damit sie wirklich begeistert mitmachen. 

Wie lernen Pferde?

  • Lernen muss Spaß machen. Das Pferd muss die Aufgabenstellung verstehen und auch in der Lage sein, die Anforderung zu erfüllen. Reagiert das Pferd wie gewünscht, ist es wichtig, das Signal oder den Druck sofort auszusetzen. Das genaue Timing erfordert vielleicht etwas Übung, stellt sich aber mit zunehmender Erfahrung bald sein.
  • Pferde lernen durch Wiederholung, man sollte es aber nicht übertreiben. Zwei bis drei Reprisen von jeder Seite reichen völlig aus. Lieber dann am nächsten Tag noch einmal probieren.
  • Der Gymnastizierung wegen übt man immer von beiden Seiten. Meist haben die Pferde eine Seite, auf der sie lieber arbeiten. Man darf dann aber keinesfalls die problematische Seite außer Acht lassen. Gerade hier ist Training nötig.

Richtig üben

Üben will gelernt sein. Auch ein motiviertes Pferd verliert schnell die Lust, wenn es immer wieder dieselben Dinge machen soll, oder wenn es womöglich gar nicht versteht, was man von ihm möchte. 

Es sit wichtig, dass jede Übung ihr verlässliches Signal hat. 

Eher schwierig wird es auch, wenn die Herdenfreunde auf der Koppel nebenan stehen oder auf dem Übungsplatz ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. 

Die Chef Sache

Voraussetzung für eine gute, gemeinschaftliche Arbeit mit dem Pferd ist, dass man es überall anfassen und streicheln kann. Das erfordert Vertrauen. Es ist aber auch wichtig, dass geklärt ist, wer in der Mensch-Pferd-Beziehung der Chef ist. 

Wenn man mit seinem Pferd arbeitet, sollte es konzentriert sein und sich nicht durch Kleinigkeiten ablenken lassen. Daher solltest du sicherstellen, dass du die Aufmerksamkeit deines Pferdes hast. Aber auch wir selbst sollten uns auf die Aufgaben konzentrieren und uns nicht von allen möglichen Dingen ablenken lassen. 

Wenn mindestens ein Auge oder Ohr unseres Pferde auf uns gerichtet ist, oder wenn es anfängt zu kauen, dann haben wir die gewünschte Aufmerksamkeit unseres Pferdes erreicht und es arbeitet mit. 

Basisübungen

Wir stehen mit unserem Pferd in der Halle oder auf dem Reitplatz. Bleibt unser Pferd am langen Strick neben uns stehen, ohne dass es herumzappelt oder sich auf und davon macht? Nein? Dann fehlt uns noch das Vertrauen unseres Pferdes und dem Pferd vielleicht noch der letzte Schliff in der Grunderziehung. 

Daran arbeiten wir am besten mit einigen einfachen Basisübungen. 

Verbringe viel Zeit mit deinem Pferd. Putze es ausgiebig, geh mit ihm spazieren. So werdet ihr miteinander vertrauter. Aber auch hier gilt, stets ruhig und gelassen bleiben. 

Denn Nervosität, Hektik, Stress, Unausgeglichenheit usw. übertragen sich auf die Pferde. 

Ohne Halfter und Strick

Wir stehen mit unserem Pferd auf einen umzäunten Platz und nehmen ihm das Halfter ab. Es steht völlig ruhig und entspannt da, während wir es überall streicheln. Perfekt, oder?

Dafür ist aber ein wenig Übung notwendig. Es ist wichtig, Schritt für Schritt vorzugehen und nicht voreilig ohne Halfter und Strick zu arbeiten. Denn es dauert viel länger, Misserfolge später zu korrigieren. Also: GEDULD!!!

Lob motiviert und bestärkt unser Pferd. Belohne daher jeden kleinen Fortschritt. Such dir ein Lobwort. Wenn möglich eines, das man nicht böse oder hart sagen kann. Wie zum Beispiel "bien", was auf spanisch "gut" bedeutet. 

Lob ist aber auch, das Pferd nach getaner Arbeit zu seinen Kumpels auf die Koppel zu entlassen. 

Kleines Schrecktraining

Aus Pferdesicht potentiell gefährliche Dinge lauern an jeder Ecke. Ein blühender Busch, ein Holzstapel, ein umgestürzter Baumstamm oder Rehe und Kaninchen an der Wegstrecke erschrecken Pferde häufig. Selbst in einer Pfütze könnten Krokodile lauern :-)

Um diese Situationen erfolgreich zu meistern, kann man sich und sein Pferd mit einem sogenannten Schrecktraining vorbereiten. Dabei wird das Pferd behutsam an ungewöhnliche Dinge gewöhnt und es lernt, nicht blindlings seinem Fluchtinstinkt zu folgen. 

Pferde haben einen anderen Blickwinkel als Menschen. Achte deshalb darauf, dass dein Pferd die vermeintlich gefährlichen Dinge gut betrachten kann. Es darf ruhig einige Schritte rückwärts machen, aber nicht den Kopf wegdrehen oder seitwärts gehen, denn spätestens dann haben wir unser Pferd nicht mehr unter Kontrolle. 

Achtung unbekanntes Flugobjekt

Ein Pferd, das Vertrauen zu seinem Reiter hat und gelernt hat, nicht blind seinem Instinkt zu folgen, ist im Umgang wesentlich sicherer. Es schaut sich auch vermeintlich gefährliche Dinge erst einmal (wenn auch vorsichtig) an und springt nicht gleich zur Seite oder flieht kopflos. 

Es kann abwarten, was man von ihm möchte. Streichelübungen tragen zu einem solch ruhigen und gelassenen Pferd bei. Es ist gut, das regelmäßig zu wiederholen. 

Um die Schrecksicherheit zu erhöhen, kann man zum Beispiel als Variation mit kleinen, bunten Luftballons arbeiten. 

An Baustellen, Einzäunungen und Absperrungen trifft man immer wieder auf Flatterbänder. 

Daher ist es gut, das Pferd darauf vorzubereiten. Das geht einfach und effektiv, indem man ein Flatterband an eine Gerte bindet. Hierzu kann man auch eine stabile Plastiktüte in Streifen schneiden und festknoten. 

Vorwärts und Rückwärts

Für den täglichen Umgang mit unserem Pferd ist es wichtig, dass wir unser Pferd gezielt direkt und indirekt bewegen können. 

Schenkelweichen, Vorhandwendung, Rückwärts richten, all diese Übungen sind uns aus dem Reitunterricht vertraut.  Der Reiter muss sehr exakte und auch komplexe Hilfen geben. Das Pferd sollte wissen, wie es seine Beine setzen muss um im Gleichgewicht zu bleiben. 

Warum soll man nicht die Chance nutzen und das Ganze erst einmal vom Boden aus probieren?

Dann weiß zumindest das Pferd wo es langgeht. 

Übungen, die am Boden klappen, sind bereits positiv verankert. Das Selbstvertrauen des Pferdes wird gestärkt, der Reiter lernt seine Bewegungen besser zu koordinieren und auf die Reaktionen des Pferdes abgestimmte Hilfen einzusetzen. 

Kann ich Vor- und Hinterhand kontrollieren, fällt es später beim Reiten auch nicht mehr so schwer. 

Das ist eine gute Grundlage für ein harmonisches Training. 

Rückwärtsrichten

Rückwärtsrichten ist in der Reiterei meist eine disziplinarische Übung auch bei der Bodenarbeit ist das Weichen wichtig. Pferde weichen nur vor ranghöheren Tieren und als Besitzer sollte man immer das ranghöhere "Tier" sein. Das Pferd wird lernen, dass es angenehmer ist, dem Druck zu weichen, und es wird feststellen, dass es für gut Zusammenarbeit eine Ruhepause bekommt. 

Vorhand bewegen

Man sollte sein Pferd problemlos vorwärts und rückwärts schicken, aber auch die Vor-und Hinterhand separat bewegen können. Denn was man Boden unter Kontrolle hat, das klappt später auch vom Sattel aus! 

Die Vorhand gibt die Bewegungsrichtung des Pferdes vor: rechts, links, geradeaus. Um es zu kontrollieren, muss man auf die Schulter des Pferdes einwirken. lässt sich zum Beispiel bei Wendungen sehr gut üben. 

Hinterhand bewegen

Wenn man die Vorhand unter Kontrolle hat, dann übt man weiter mit der Hinterhand. 

die Hinterhand ist quasi der "Motor" des Pferdes, hieraus entwickelt sich die Schubkraft, die direkten Einfluss auf die Vorwärtsbewegung hat. 

Wenn man die Hinterhand am Boden kontrollieren kann, kann man auch später vom Sattel aus auf sie einwirken, 

Damit lässt sich so manche Lektion (wie zum Beispiel eine Hinterhandwendung) leichter reiten. 

Seitwärts bewegen

Um unser Pferd seitwärts zu bewegen, gehen wir nach demselben Schema vor wie beim Rückwärtsrichten. Die Übung ist meist einfacher, wenn wir uns mit unserem Pferd an einem Zaun oder an die Reitplatzbande stellen, und zwar so, dass unser Pferd mit dem Kopf zur Begrenzung steht. Wir selbst stehen kurz hinter der Schulter in Höhe der Sattellage. 

Biegen und Stellen gymnastiziert das Pferd auch am Boden. Es sit wichtig, beide Seiten gleichmäßig zu trainieren, auch wenn das Pferd eine Seite bevorzugt. 

Für Fortgeschrittene

Wenn die vorherigen Übungen auf beiden Seiten und aus der Distanz gut klappen, dann können wir versuchen, Halfter und Strick abzunehmen und die Seitwärtsbewegung am Zaun "frei" zu üben. 

Die Arbeit auf Distanz erfordert von unserem Pferd sehr viel Vertrauen und Akzeptanz. Deshalb sollten wir diese Übung niemals zu lange machen und jeden kleinen Schritt zum Beispiel mit en paar Minuten Pause oder einer ausgiebigen Streicheleinheit ausreichend belohnen. 

Stangenarbeit

Die Stangenarbeit fördert die Konzentration, aber auch das Körperbewusstsein des Pferdes. 

Es muss einerseits auf die Signale des Menschen reagieren und andererseits auf die Stangen achten. Es muss seine Beine gezielt setzen und aufpassen, wo es hintritt. 

Pferde mögen Abwechslung und neue Aufgaben. Man kann mit einer, zwei oder mehreren Standen arbeiten. 

Longieren

Longieren hat viele positive Effekte. Es bereitet das Pferd auf die Arbeit unter dem Sattel vor, indem es seine Muskulatur kräftigt. 

Es steigert die Kondition und auch die Fähigkeit des Pferdes, sich zu biegen. 

Temperamentvolle Pferde können beim Longieren erst einmal Dampf ablassen und sind beim Reiten oft wesentlich entspannter. 

Pferde, die aus verschiedenen Gründen nicht geritten werden können, bleiben schonend im Training. 

Und nicht zuletzt ist Longieren natürlich eine sinnvolle Abwechslung zur täglichen Arbeit. 

Allerdings ist es nur eine sinnvolle Abwechslung, wenn sie richtig ausgeführt wird. 

Ein Pferd "trocken zu schleudern" indem man es sinnentleert auf einem 18 Meter Kreis um sich laufen lässt, ist wenig Planvoll. Zudem nicht Gelenkschonend. 

Auch richtiges Longieren will gelernt sein. 

Tempowechsel

Tempowechsel fördern die Aufmerksamkeit des Pferdes und machen das Longieren Abwechslungsreicher. Außerdem lernt das Pferd, in allen Gangarten und bei den Übergängen sein Gleichgewicht zu finden bzw. zu halten. 

Wichtig ist, dass die Wechsel zwischen den verschiedenen Tempi weich und ruhig erfolgen. 

Hektisches Antraben und abruptes Abbremsen gehen auf Kosten der Gesundheit des Pferdes. 

Ebenso ist ein ebener und trittfester Boden wichtig.