Bindegewebe und Faszien

Wenn wir beim Metzger stehen und die dortige Auslage betrachten, können wir eine graue Haut am Fleisch sehen. Das ist das Bindegewebe, auch Faszie genannt. Dieses System aus Bindegewebshüllen, -strängen und -schichten bildet ein komplexes Netzwerk im ganzen Körper. 

Das Bindegewebe ist unterschiedlich stark, es kann sehr, sehr dünn sein bis hin zu dickeren Schichten, wie zum Beispiel den oberflächlichen und tiefen (fingerdicken) Beugesehnen des Pferdes. Faszien gibt es überall im ganzen Körper, vom Kopf bis zum Hinterhuf, sie durchdringen und umschließen unter anderem Knochen, Muskeln, Muskelfasern, Organe, Blutgefäße und Nervenbahnen. Man findet sie als Sehnenplatten, als Bänder und Sehnen, Gelenkkapseln und als Umkleidung von Muskeln. 

Muskeln und Faszien bilden eine Einheit

 

1 = oberflächliche Kopffaszie

2= oberflächliche Halsfaszie

3 = oberflächliche Schulterfaszie

4 = oberflächliche Unterarmfaszie

5 = oberflächliche Bauchfaszie

6 = oberflächliche Rückenfaszie

7 = oberflächliche Kruppenfaszie

8 = oberflächliche Oberschenkelfaszie

9 = oberflächliche Kniefaszie

10 = oberflächliche Unterschenkelfaszie

Die Faszie ist inzwischen Gegenstand eines rasch wachsenden Forschungsgebietes geworden, weil man erkannt hat, dass sie eine wichtige Rolle für die Gesundheit und bei der Entstehung von Krankheiten spielt. So weiß man heute, dass sie zum Beispiel bei chronischen Rückenschmerzen des Menschen ein wichtiger Faktor sein kann. Aber auch bei Pferden.

Das Faszien Gewebe besteht bis zu 60 bis 70% aus Wasser. Diese Flüssigkeit wirkt wie ein Schmiermittel zwischen den Faszienschichten, sodass unter anderem die Muskeln reibungslos übereinander gleiten können. Die Faszie verbindet meist mehrere Gelenke und Muskeln gleichzeitig gerade, quer, diagonal und spiralförmig. Auch Organe sind von den Faszien geprägt, die sie umschlingen und in der Bauchhöhle in der richtigen Lage stabil halten. 

 

Leider ist ein multifunktionales Organ auch anfällig für Dysfunktionen. Unter anderem kann die Faszie verkleben und dadurch ihre Struktur verändern. Eine Faszienverklebung entsteht zum Beispiel durch Verletzungen, Über- oder Unterbelastung, Stress oder zu hohen Druck auf das Gewebe (Satteldruck). Dieses verklebt, indem die Flüssigkeit zwischen den Bindegewebsschichten verschwindet. Zusätzlich baut sich die Faszie um, verfilzt und wird zäher. Bein einem Pferd mit chronischen Rückenschmerzen liegt immer eine Veränderung an der großen, dicken Rückenfaszie vor. Dies hat Auswirkungen auf die Losgelassenheit in der Bewegung, es behindert unter anderem die Aufwölbung des Rückens, was wiederum das Vor- und Zurückführen der Gliedmaßen einschränkt. 

Muskeln und Knochen werden von Faszien, Sehnen und Bändern gehalten. Sie erlauben dem Pferd, seine Körperhaltung zu wahren und Bewegungen effizient auszuführen.

In der Physiotherapie, Osteopathie, Chiropraktik und Akkupunktur wird der Faszie schon länger eine zentrale Rolle eingeräumt. Durch die Massage, Mobilisation, Dehnung und die Stabilisationsübungen, die hier vorgenommen werden, können wir sie enorm beeinflussen. Ein Pferd mit einem gesunden Netz aus Faszien ist leistungsfähiger und weniger verletzungsanfälliger. 

Leicht zu erkennen ist eine Verklebung der Faszie in der Hinterhand. Dieses ist häufig bei Dressurpferden zu beobachten. Ein Auslöser kann eine Überbelastung der Muskulatur sein, zum Beispiel wenn zu lange in Versammlung geritten wird. Wir erkennen dies daran, dass sich beim Pferd in der Bewegung Falten in der Haut der Hinterhand bilden.

Die Faszien und speziell der Sehnenapparat besitzen die Fähigkeit, elastische Spannung aufzubauen, Energie aufzuladen und sie schnell wie ein Katapult wieder freizusetzen. 

Bindegewebe

Bindegewebe ist überall im Körper zu finden. Es bildet verschiedene Strukturen, unter anderem Faszien, Sehnen, Bänder, Knorpel, Blutgefäße, Knochengewebe und Lymphgewebe. Es besteht hauptsächlich aus Zellen und Kollagen, einem Fasern bildenden Eiweiß, das ein Viertel der gesamten Eiweißmenge des Körpers ausmacht. Ein Großteil des Bindegewebes besteht aus verschiedenen Anteilen zweier Kollagenfasertypen

  • weiße Fasern, die relativ unelastisch sind
  • gelbe Fasern, die sich dehnen lassen

Faszien

Läuft ein Pferd undynamisch, also stakelig, und steif, können wir davon ausgehen, dass seine Faszien nicht in Bestform sind. Faszien brauchen Pflege, und sie müssen, um elastisch zu bleiben, in die Bewegungsrichtung trainiert werden. Das ist nötig, damit sie nicht verfilzen. Das Zauberwort hier hießt also: Bewegung. Pferde sind Lauftiere!

Auch Fehlbelastungen durch falsches Laufen oder Reiten haben einen ungünstigen Einfluss auf das fasziale Netzwerk, da die Faszien nicht mehr in Bewegungsrichtung gedehnt werden. 

Ohne anatomisch korrekt bewegt zu werden, versteifen und verhärten die Faszien, was sehr schmerzhaft sein kann. Bei Menschen werden verhärtete, verdickte Faszien sogar manchmal operativ entfernt, um Schmerzen zu lindern. 

Das durchgängige Netz aus Bindegewebe, das jeden Muskel, jeden Knochen und jedes Organ durchdringt und umgibt, den Körper zusammenhält und ihm erlaubt, als Einheit zu organisieren, wird als Faszie bezeichnet. Die hohe Dichte kollagener Fasern in den Faszien gibt ihnen Stärke, Elastizität und Flexibilität. 

Faszien können regelrecht verfilzen

Soll eine Muskelkette arbeiten können, müssen auch die dazugehörigen Faszien dehnungsfähig gemacht werden. 

Beim Pferd verbinden Faszien zum Beispiel die dorsale Muskelkette (Hals- und Rückenstrecker, Kopf-Arm-Muskel) mit der ventralen Muskelkette (Bauchmuskulatur, Zungenbeingruppe sowie unterer Halsbeuger, die sich in der Zungenbeinregion mit der dorsalen Muskelkette verbinden). Treten in diesen Muskelketten Störungen auf, beeinflusst das die Gesamtdynamik und den korrekten Bewegungsablauf, was das Pferd früher oder später krank macht. 

Faszien geben dem Muskel Form und Stabilität und sie grenzen die einzelnen Muskeln untereinander ab, sodass diese sich während der Kontraktion nicht gegenseitig behindern. 

die Kollagen- und Elastinfasern der Faszien haben eine geordnete Struktur, wie ein symmetrisch angeordnetes Gitternetzwerk, das ihnen eine gewisse Elastizität erlaubt. 

Oberflächliche Faszien

Die oberflächlichen Faszien verbinden die Haut mit den Muskeln und den darunterliegenden Strukturen. Sie bilden Zugänge, die über Nerven, Blut- und Lymphgefäße in die Muskeln eindringen können. Außerdem dienen sie als Isolationsschicht, die Wärmeverluste reduziert und die Muskeln vor Quetschungen schützt. 

Tiefe Faszien

Tiefe Faszien bestehen aus dichtem, unregelmäßigem Bindegewebe, das Muskeln, Bänder, Sehnen, Gelenkkapseln, Knochenhaut, Knochen, Nerven und Blutgefäße umgibt. Jede Schicht eines Muskelbauchs wird von einem eigenen dünnen Faszienblatt umhüllt. Zu den Muskelenden hin laufen die Muskelfasern aus und die Faszienblätter bilden die Sehne. 

Verletzte Faszien

Wenn Faszien beschädigt oder überbeansprucht werden, beeinträchtigt das ihre Flexibilität und Elastizität - vergleichbar mit zu enger Kleidung, die unsere Bewegungen einschränkt. Aufgrund ihrer verbindenden Natur kann eine beschädigte Faszie Einfluss auf weit von der Verletzung entfernte Muskeln derselben Kette haben und dort Symptome wie Steifheit oder Bewegungseinschränkungen hervorrufen. 

Fasziale Probleme bleiben oft unerkannt, wenn ein Pferd steif oder verspannt scheint. 

Training erfordert eine Kombination aus Flexibilität, Stärke, Gleichgewicht, Ausdauer und Koordination. Einige oder alle dieser Komponenten können in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn es zu faszialen Einschränkungen kommt. 

Aufgabe der Faszien

Faszien stabilisieren, unterstützen und schützen. Sie dienen als Puffer für die Muskeln. Optimalerweise sind Faszien frei beweglich, feucht und dehnbar. Sie bieten den Muskelfasern eine Ansatzstelle, unterstützen die Bewegungen der Muskeln und sichern die reibungslose Verschieblichkeit einzelner Muskeln gegeneinander. 

Zusammenfassung

  • Faszien sind ein durchgängiger, bindegewebiger Mantel, der strukturelle Unterstützung für das Skelett und die Weichteile bietet
  • die Membranen verbinden alle Strukturen des Körpers
  • die Sehnen und Bänder bestehen aus denselben kollagenen Fasern wie Faszien

KONTAKT

Therapie und Training

Martina Freund

Grafingerstr. 5

85617 Assling

Germany

Fon: 01522-3829735

info@mf-therapiepartner.de

www.mf-therapieundtraining.de

INFO

Folge uns auch auf 

Facebook:

Martina Freund

Instagram:

martinafreund3

Bilder von:

MF-Bildarbeit.de

Annette Kraft

Termin

Schreibt uns eine Nachricht damit wir einen Termin vereinbaren können.