Artgerechte Pferdehaltung

In den letzten Jahren hatte ich mich mit den verschiedensten Haltungssystemen beschäftigt, egal ob Aktivstall, Offenstallhaltung, reine Boxenhaltung oder eine Mischung aus Boxen- und Weiderhaltung. Besitzer sind stets bestrebt, den Tieren das Beste zu bieten, damit sie gesund und artgerecht gehalten werden können.

Für Pferde, die gesellige Tiere sind, ist der Kontakt zu Artgenossen ein Grundbedürfnis

 

Die Anforderungen des Pferdes an seine Umwelt, Kontakte, Fütterung und Haltung

 

Das Pferd hat einen ausgeprägten Bewegungsbedarf. Wie wir alle wissen, kommt das Pferd aus der freien Steppe und war in ständiger Bewegung, egal ob ruhig schreitend beim Weiden oder im schnellen Galopp auf der Flucht vor Feinden. Auch in unserem Hauspferd steckt noch dieser natürliche Bewegungsdrang. Daher kann Bewegungsarmut leicht zu physischen und psychischen Schäden führen.

Seinem Wesen nach ist das Pferd ein sehr geselliges Tier, das in Freiheit und Familienverbänden oder in Hengstgruppen lebt. Der Kontakt zu Artgenossen stellt ein gewisses Gefühl der Sicherheit für die Pferde dar. Sie sind innerhalb der Rangordnung einer Gruppe bzw. Herde untereinander weitestgehend verträglich. Nicht tiergerecht wäre die Haltung eines einzelnen Tieres ohne Anbindung an Artgenossen, ohne Sicht-, Geruchs- oder Hörkontakt.

Aufgrund der Anantomie des Verdauungstraktes eines Pferdes ist es unerlässlich, dass dieses permanent geringe Mengen strukturiertes Pflanzenmaterial aufnehmen kann. Seine ausgeglichene und richtige Ernährung ist davon abhängig, wie es eingesetzt wird - z.B. im Sport, als reines Zuchtpferd, als Freizeitbegleiter oder als Arbeitstier auf dem Feld. Anhand von Haltungsart, Rasse und Gewicht kann eine optimale Ernährung errechnet werden, damit sich das Pferd wohl fühlt und gesund bleibt. Die Futterverabreichung dient nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern auch der Beschäftigung, sodass im Wesentlichen keine Verhaltensstörungen auftreten.

Welche Anforderungen werden an die Umwelt gestellt?

Licht und frische Luft lieben wir alle, und es ist unabdingbar, dass das nach dem Thema Fütterung die zwei wichtigsten Punkte in der Haltung sind. Erklären lässt sich das damit, dass das Pferd als Fluchttier einen sehr empfindlichen Atemtrakt hat. An die Qualität der Stallluft sind daher hohe Anforderungen zu stellen. Leider sieht es in der Realität aber oft so aus, dass nach den Erkrankungen des Bewegungsapparates an zweiter Stelle die Atemwegs- und Lungenerkrankungen stehen, weil diese Kriterien nicht berücksichtigt wurden.

Was ein Pferd hingegen nicht braucht, ist ein warmer Stall.

Von allen Haustieren besitzt das Pferd die am stärksten ausgeprägte Hitze-Kälte-Toleranz, die sich auf das Leben in der Steppe zurückführen lässt. Das Stallklima passt der Mensch jedoch oft seinen eigenen Bedürfnissen und nicht denen des Pferdes an. Ein Stall mit viel Frischluft sollte angesichts der vorherrschenden Atemwegserkrankungen bei Pferden immer einem gewärmten Stall vorgezogen werden, zumal ein Pferd auch Minustemperaturen schadlos übersteht. Das Halten von Pferden muss also unbedingt dem Tier angepasst sein. Es muss sich an frischer Luft bewegen, seinem Instinkt folgen und fressen können, um gesund zu bleiben. Auch Kontakt zu Artgenossen sollte vorhanden sein. 

Es gibt verschiedene Haltungssystem, die dem Pferd Bewegung, Sozialkontakte, Teilnahme an Umgebungs- und Klimareizen ermöglichen. Dazu gehören Laufställe, Gruppenausläufe und Weidehaltung. Ein Pferd nur in einer Innenbox ohne oder mit Paddock zu halten, ist sicher nicht das, was ein Pferd sich auf Dauer wünscht. Angesichts dessen muss der Halter bzw. Besitzer dem Pferd eine gewisse Abwechslung bieten, damit es sich wohl und gesund fühlt. Die Anbindehaltung von Pferden in Ständern ist als Daueraufstellung glücklicherweise mittlerweile aus tierschutzrechtlichen Gründen verboten. 

 

Stallhygiene sowie die Gestaltung und Pflege des Stalles sind entscheidende Faktoren. Der Stall sollte hell (Tageslichteinfall) und luftig (frische Luft sollte einströmen können) und die Boxen sauber und trocken sein. Die Futter- und Tränkeeinrichtungen müssen sauber gehalten und regelmäßig auf ihre Funktionen geprüft werden. 

Was fördert das Wohlbefinden des Pferdes und was erhält die Gesundheit der Haut?

Körperpflege beim Pferd besteht aus eigenem und gegenseitigem Beknabbern, Schubbern, Kratzen sowie Wälzen im Sand oder in der Einstreu. Auch wenn das die Stallbetreiber nicht gerne sehen, gehört auch das Scheuern an Bäumen, Pfosten und aufgestellten Bürsten dazu. Sehr oft zu beobachten ist, dass Pferde auf Weiden den Regen genießen und keinen Unterstand aufsuchen. Das regelmäßige Waschen, Striegeln und Bürsten ist entsprechend Sache der Pferdebesitzer. 

Ordnungsgemäße Hufpflege

Hufpflege ist ein wichtiges Thema, das bereits im Fohlenalter beginnt. Frühzeitige Gewöhnung der Fohlen an das Aufheben der Hufe kann als erste Pflegemaßnahme angesehen werden. Eine regelmäßige Kontrolle des Zustandes der Hufen bei allen Altersgruppen und Nutzungsrichtungen ist zwingend erforderlich. Unbeschlagene Pferde sind ca. alle acht Wochen auf Stellung und Abnutzung zu kontrollieren und Abweichungen von der Norm zu korrigieren. Zur regelmäßigen Kontrolle der Hufe gehört die Reinigung von Huf, Hufsohle und Strahlfurche. Die Strahlfurchen müssen regelmäßig gesäubert und von Steinen befreit werden, um Druckstellen zu vermeiden. Auch sollte vermieden werden, dass die Pferde zu lange Kontakt mit nasser Einstreu haben (Kot/Urin), da dabei die Gefahr der Strahlfäule besteht. 


Fütterungsregeln für Pferde

Da ein Pferd keine großen Mengen auf einmal fressen kann, ist es ratsam, dem Pferd mindestens drei Portionen Futter am Tag anzubieten. Dazu gehört auch frisches Waser, das für eine gute Verdauung und das Wohl des Tieres höchste Priorität hat. Waser muss - wie bei allen Haustierarten - zur freien Verfügung stehen. Das Pferd benötigt ca. ein bis zwei Liter je Kilogramm Trockenfutter und sollte eine Fresszeit von ein bis zwei Stunden eingeräumt bekommen. Die Abendration sollte die größte Menge an Raufutter enthalten, sodass es nicht zu große Fresspausen kommt. 

Ist ein Pferd anfällig für Verdauungsstörungen oder ist es ein hastig fressendes Pferd, kann man die Kraftfutterration mit Heu oder Stroh vermischen. Pferde haben ein sehr empfindliches Verdauungssystem, daher ist bei der Fütterung immer Vorsicht geboten. Es sollte kein verschimmelts, muffiges oder verschmutztes Futter gegeben werden, auch kein feingemahlenes. Die Futterkrippe muss stets sauber gehalten werden!

Raufutter sollte auf den Stallboden gelegt werden, damit das Pferd artgerecht fressen kann. Nicht artgerecht sind z.B. Raufen, die über der Widerristhöhe angebracht sind. Sowohl Futterration als auch Futterzusammensetzung sollten nie abrupt geändert werden. Eine Futterumstellung kann aufgrund des empfindlichen Verdauungssystems in einem Zeitraum von zwei Wochen erfolgen. Ein gut bewegtes Pferd frisst, verdaut und verwertet, das Futter stets besser als ein Pferd, das nur im Stall steht. Jedes Tier hat sein individuelles Fressverhalten, deshalb muss jedem Pferd eine ungestörte Futteraufnahme ermöglicht werden. 

Gute Futterqualität und strenge Hygiene halten unsere Pferde gesund

  • Einwandfreie Futterqualität muss gewährleistet sein
  • Grundfutter sollte eiweißarm und von guter Struktur sein
  • Zu verfütterndes Heu darf nicht überaltert sein
  • Frisches Heu oder frischer Hafer sollten nicht verfüttert werden.
  • Kurz gehäckseltes Stroh oder Gras sollte nicht verfüttert werden (niemals Rasenmäher Gras)
  • Futter muss frei von toxischen Stoffen (Kadaver im Futterlager) sein
  • Futter darf keine Kontamination mit Krankheitserregern enthalten
  • Im Futter dürfen keine quellenden oder gärenden Bestandteile sein
  • Futter darf keine giftigen Pflanzen enthalten
  • Futter muss staubarm und frei von Erd- oder Schmutzpartikeln sein
  • Futter darf keine Parasitenlarven enthalten
  • Futter muss frei von Schimmel sein

Pferd ist doch gleich Pferd?

Pferde, egal welcher Rasse und Größe, haben dasselbe Verdauungssystem, also brauchen sie auch dasselbe Futter!? Diese Frage lässt sich mit einem "JEIN" beantworten. 

Schauen wir genauer hin

Wenn wir uns mit der naturnahen, artgerechten Ernährung unserer Haus- und Nutztiere beschäftigen, ist es sinnvoll, den Blick auf die wilden Vorfahren oder die wildlebenden Arten zu lenken. Die Vorfahren unserer Hauspferde haben sich über Jahrtausende von einem nur fuchsgroßen Waldbewohner zu einem mittelgroßen Steppenbewohner entwickelt. Wildpferde hatten ein Stockmaß von 1,20 bis 1,40 Meter und waren spezialisiert auf das Zurücklegen großer Strecken in meist ruhigem Tempo. Als klassische Fluchttiere waren sie mit entsprechender Muskulatur, einem starken Herz und einer leistungsfähigen Lunge ausgestattet, um blitzartig auf schnellstmögliches Tempo zur Flucht umzuschalten. 

Die Futtergrundlage bildeten Gräser und Kräuter, auch kleine Zweige, Rinde und Laub von Sträuchern. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es auf der Welt keine echten Wildpferde mehr, allerdings einige wildlebende Herden, die auf ehemals domestizierte Tiere zurückgehen. Auch diese wildlebenden Pferde haben eine mittlere Größe, einen kompakten Körperbau und ernähren sich vom Aufwuchs der vorhandenen Weidegründe. Naturgemäß im Frühjahr und Sommer ein Überangebot vorhanden, sodass die Tiere große Futtermengen und viel Pflanzenarten zur Auswahl haben - Natur ist Fülle! Als Dauerfresser deren Verdauungssystem auf kontinuierliche Futterzufuhr ausgelegt ist, suchen sie sich die besten Gräser und Kräuter aus und nehmen in dieser Jahreszeit - auch trotz ihrer regelmäßigen Bewegung - an Gewicht zu. Im Herbst und Winter steht weniger Futter zur Verfügung, die Pferde müssen es über längere Wegstrecken suchen und bauen häufig in dieser Zeit Körpermasse ab. 

Das "JA"

Das Verdauungssystem unserer heutigen Pferde, egal welcher Rasse, ist identisch mit dem der wilden Verwandten - also ist Pferd in dieser Hinsicht tatsächlich gleich Pferd und wir können die Frage nach dem Futteranspruch mit "JA" beantworten. Alle Pferde benötigen einen großen Anteil an Raufutter bzw. Grundfutter (Gräser, Kräuter, faserhaltige Pflanzen), denn genau für dieses Futter ist ihr Verdauungssystem ausgelegt. Mit den empfindlichen Lippen werden passende Pflanzen und Substanzen selektiert, um diese dann mit den Schneidezähnen und einem kräftigen Ruck des Kopfes abzureißen. Im verhältnismäßig kleinen Magen, der im hinteren Teil kontinuierlich Salzsäure produziert, verbleibt das Futter nur kurze Zeit. Der Hauptort der Verdauung ist der Darm, insbesondere Dick- und Blinddarm. Dieser ist mit einer Bakterienflora besiedelt, die die Cellulose-haltigen Pflanzen aufspalten und die Nahrungsbestandteile für das Pferd verfügbar macht. Pferde benötigen daher viel zeit für die Futteraufnahme und Verdauung. 

Das "NEIN"

Unsere heutigen Pferdetypen und -rassen sind durch Selektion und intensive züchterische Bearbeitung des Menschen entstanden oder verändert worden. Pferde haben heute ein Stockmaß von unter 1 Meter bis hin zu über 1,80 Meter. Es gibt leichte und schwere, ruhige und temperamentvolle Typen. Sie wurden für das Tragen und Ziehen von Lasten oder für den Einsatz in Sport und Freizeit als Partner des Menschen gezüchtet. Alle verfügen über das gleiche Verdauungssystem. Was sich jedoch grundlegend unterscheidet, ist die Leistung, die die Tiere erbringen müssen - und mit dieser Leistung verändert sich der Anspruch an das Futter.  In der Tierernährung betrachten wir grundsätzlich den Erhaltungs- und Leistungsbedarf eines Pferdes. 


Der Erhaltungsbedarf umfasst die Summe aller Vitalstoffe, die zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen, also zum Leben, benötigt werden. Dieser variiert nur innerhalb bestimmter Grenzen in Abhängigkeit vom Körpergewicht. Der Leistungsbedarf variiert in Abhängigkeit von der tatsächlich erbrachten körperlichen Leistung (Bewegung, geritten werden, Lasten ziehen, Milchproduktion etc.) natürlich stärker. Wenn dieser Leistungsbedarf an Energie und Vitalstoffen nur über Raufutter gedeckt werden soll, müsste das Pferd erhebliche Mengen davon aufnehmen. Je nach Raufutterqualität könnte der Bedarf an einzelnen oder mehreren lebensnotwendigen Inhaltsstoffen so aber nicht reichen. Trotz desselben Verdauungssystems sind die Ansprüche an die Futtermittel im Leistungsbereich nicht bei allen Pferden gleich und es muss Ausschau nach alternativen Futtermitteln gehalten werden. Raufutter bildet für alle Pferde die notwendige Futtergrundlage. Je nach Leistung muss dieses aber individuell ergänzt werden. 

Fazit

Artgerechte Fütterung beschreibt nicht für jedes Pferd den gleichen Speiseplan. Für das eine Pferd ist z.B. ein Getreideanteil in der Ration durchaus sinnvoll, während das für ein anderes Pferd nicht angezeigt ist, da es sonst "der Hafersticht" bzw. zu temperamentvoll wird oder sogar gesundheitlichen Schaden nimmt. Artgerecht muss also auch leistungsgerecht und der Genetik des Pferdes angepasst sein - in Summe beschreibt der Begriff "bedarfsgerecht" dieses Ziel sehr treffend.

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