Muskelwachstum

Muskeln wachsen nach dem Prinzip "use it or loose it". Werden Muskeln gebraucht, halten sie das Niveau der aufzubringenden Leistung. Werden Muskeln trainiert, vergrößern sie sich, um sich an die geforderte Leistung anzupassen. Muskeln sind aber vergesslich. Sobald sie nicht mehr arbeiten müssen, bauen sie wieder an Substanz ab. 

Muskeln wachsen nicht im Training, sondern in den Pausen

Durch Belastung entstehen an den Muskeln Mikrotraumen, kleine Einrisse in den Muskelfasern, die sich regenerieren müssen. Der Muskel repariert allerdings nicht nur seine geschädigte Struktur, sondern passt sich an die neue Situation an, das heißt, er steigert seine Leistungsfähigkeit. Damit beugt der Körper zukünftigen Belastungen der Muskulatur vor. Der Muskel wächst also, um erneute Mikrotraumen zu verhindern. 

Unterbricht man diese Phase durch ein verfrühtes Training, ist der Muskel weder in der Lage, sich zu erholen, noch zu wachsen. Im schlimmsten Fall kann der Muskel sein vorheriges Niveau nicht wieder herstellen und wird schwächer. Die Muskulatur wird übertrainiert und abgebaut. 

 

Nach dem Training beginnt sich die Muskulatur zu erholen. Sie stellt das Leistungsniveau wieder her, welches sie vor dem Training hatte. Ist das geschehen, bereitet sie sich auf eine höhere Trainingsbelastung vor. Der Muskel wächst, um für die nächste Belastung "gerüstet" zu sein. 

Wird die Muskulatur durch eine zu lange Pause geschont, und das aufgebaute Potenzial bleibt ungenutzt, pendelt sich das Niveau wieder bei der ursprünglichen Leistung ein. Das heißt, es findet kein Muskelwachstum statt. 

Wird der nächste Trainingsreiz zu früh gesetzt, sind die Regenerationsphasen zwischen den Trainingseinheiten zu kurz. Die Muskulatur kann sich nicht erholen und die Leistungsfähigkeit des Muskels sinkt, trotz intensiven Training. 

Zwischen den Trainingseinheiten sollte dem Pferd daher ca. 48 Stunden Pause gegeben werden, damit die Muskulatur des Pferdes optimal wachsen kann. 

Muskeldurchblutung

Blut hat unter anderem die Aufgaben, den Muskel mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen, zudem transportiert es Schadstoffe wieder aus den Muskeln heraus, die vom Organismus dann entsorgt werden. Für den Sauerstofftransport ist das Hämoglobin (Bestandteil roter Blutkörperchen) verantwortlich. Ein Eiweißkomplex, der etwa in der Lunge den Sauerstoff an sich bindet, durch die Adern transportiert und ihn dann an die Muskulatur abgibt. 

 

 

 

Um einen Muskel optimal zu durchbluten, ihn mit Sauerstoff zu versorgen und somit seine Leistungsfähigkeit und sein Wachstum anzuregen, spielen vor allem die Sauerstofftransportkapazität des Blutes, eine gute Muskeldurchblutung und die Sauerstoffausnutzung im arbeitenden Muskel eine Rolle. 

Energieverbrennung

Muskeln benötigen Treibstoff, um sich zu erhalten, leistungsfähig zu bleiben und sich aufzubauen. Dieser Treibstoff wird in Form von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen geliefert. Das Blut transportiert die Nährstoffe zu den Muskelzellen. Bausteine in diesen Zellen, die Mitochondrien, verbrennen diese Nährstoffe. Die bei der Verbrennung freigewordene Energie speichert ein Molekül, das ATP (Adenosintriphosphat). 

Kontrahiert der Muskel, also zieht er sich zusammen, gibt ATP seine Energie an die Muskelfibrillen ab. 

Der Wärmetest

Durch den Energieumsatz der Skelettmuskulatur wird Wärme erzeugt. Diese Wärmeenergie wird benötigt, um die Muskeln kontrahieren zu lassen. Nur etwa ein Viertel der erzeugten Energie wird als mechanische Energie in der Muskelarbeit eingesetzt. Der Rest geht als Körperwärme verloren. 

Diese allerdings können wir fühlen. Muskelpartien, die gearbeitet haben, in denen somit eine Energieverbrennung stattgefunden hat, erzeugen Wärme. 

Streichen wir mit dem Handrücken über die Oberlinie, beginnend am Widerrist, sollte diese bis runter zur Hinterhand gleichmäßig erwärmt sein. 

Auch die Bauchpartie erscheint gleichmäßig warm. Manchmal sind Unterschiede zwischen den Partien festzustellen. Einige Stellen sind wärmer als andere. Hier musste das Pferd mehr Energie aufwenden, diese Muskelpartien mussten härter arbeiten als andere. 

An den kühleren Stellen kam die Muskulatur weniger zum Einsatz.